Christliches Centrum St. Matthäus, Windberg

wg Papst

Februar 14, 2009 · Kommentar schreiben

Wegen dem Papst, wegen seiner Entscheidung in der Affäre Williamson seien viele aus der Kirche ausgetreten, hieß es in den Medien.

wg- wegen: Das war einmal ein populäres Kürzel, es war ein Aktenvermerkszeichen, das Politik gemacht hat.

Der Papst – ein bloßer Aktenvermerk?

1. Wegen dem Papst bin ich aus der Kirche ausgetreten, sagte er. Zu welcher Gemeinde gehörten Sie denn, fragte ich. Vielleicht läge ja dort der Schlüssel der Erklärung. Zu modern, zu wenig modern, Pastor zu streng, zu schlaff.

Ich? Ich war evangelisch. Ich bin aus der evangelischen Kirche ausgetreten.

Ach so. So evangelisch wie Päpste nun mal sind….

Wie war das eigentlich damals mit Martin Luther und dem Papst? Hatten nicht der Papst und seine Kurie Martin Luther und seine Leute – die Mehrheit der Deutschen – aus der Kirche hinausgeworfen wegen dem damaligen Papst und seiner Starrköpfigkeit: Luther – ein Mönchlein aus den deutschen Provinzen: der konnte doch nicht recht haben. Schließlich musste sogar der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mehrfach die Sachauseinandersetzung anmahnen – vergeblich allerdings.

2. Wegen dem Papst bin ich aus der Kirche ausgetreten, sagte sie. Dem vorherigen. Der war mit zu frauenfeindlich.

Da sagte ich gar nichts mehr. Das Gespräch wäre wahrscheinlich auf der Frage der Ordination von Frauen zum Amt der Kirche hinausgelaufen: Dürfen Frauen Pastorinnen und Priesterinnen werden? Falls nicht: Dann werden sie doch unterdrückt, in ihrer gleichen Rechte beraubt! Es wäre unerquicklich geworden, ein fast sinnloser Streit.

Wie will man eine solche Frage  beantworten? Man kann das natürlich als Glied der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Attestat der Kirchenzugehörigkeit. Aber ist man dann wirklich Christ, richtiger Christ, so wie es die ersten Christen waren? Die sie ja auch  mit  manchen Frage auseinandergesetzt haben, mit ganz modernen Fragen.

Oder anders: Beantwortet man nicht manche Frage ganz im Kontrast zur umgebenden Gesellschaft, wenn man aus dem Glauben heraus antwortet? Wenn die Grundlage das gelebte Vertrauen in Jesus Christ, ein Vertrauen, dass täglich auf das Neue sich erweist, geprüft wird, wächst! Werden die Antworten nicht anders lauten, wenn man nicht nur begreift, sondern lebt, dass Kirche primär keine Institution, keine Verwaltungsstelle, kein Gegenüber ist, sondern die Summe aller Christgläubigen, dass man als Christusgläubiger selbst Kirche ist resp. ein Glied, ein Teil der Kirche. Nach Luther kann ein Kind von zwölf Jahren schon sagen, was die Kirche ist: Die Menschen, die auf Jesu Stimme hören und ihm nachfolgen, das ist Kirche. 

Päpste können tatsächlich irren, Konzilien und Synoden, Bischöfe und Superintendenten, Gemeindeversammlungen – alles Menschen, unbeschadet ihres Glaubens fehlbar und schwach und Gottes Gnade bedürftig. Der Gnade, die unsere grundsätzliche Schwäche, unsere Sündhaftigkeit nicht sehen will, nicht anrechnen will, sondern uns von ihr frei macht, gerecht spricht.

Gemeindeglieder, Gemeindeversammlungen, Pfarrer und Priester, Bischöfe und Superintendenten, Päpste – alles Menschen. Hoffentlich unter der Leitung des Heiligen Geistes, über die freilich kein Mensch verfügen kann, die man demütig geschehen lassen muss. Demütig.

Aber: Kann man – oder frau – einfach jemanden, der eine andere Position vertritt, als feindlich brandmarken? Ist ein Papst schlechterdings frauenfeindlich, wenn und weil er andere gesellschaftliche Vorstellungen hat? Die er anders begründet: nicht empirisch, nicht aus der Soziologie des Verstandes, sondern aus einer Theologie, die aus einer zweitausendjährigen Tradition lebt und durchaus auch auf der Heiligen Schrift gründet. frau macht es sich doch ein bisschen einfach, wenn sie platte frauenfeindlichkeit unterstellt. Die Wirklichkeit dürfte ein wenig vielschichtiger sein – egal, ob man einer Meinung mit dem Papst ist oder die Dinge anders sieht. 

3. Wegen dem Papst austreten? Oder trotz des Papstes bleiben? Oder in eine Kirche, eine Gemeinde gehen, die in wahrer Katholizität Glauben lebt, die Sakramente rein verwaltet und das Wort der Heiligen Schrift rein auslegt, ohne politische Zielrichtung, aber in Verantwortlichkeit gegenüber der Polis, dem Gemeinwesen, in dem man lebt, ohne theologische Vorgabe, aber vor dem Hintergrund von fast 2000 Jahren Kirche.

4. Fussnote: Wegen dem Papst oder wegen des Papstes? Ist auch hier der Dativ dem Genitiv sein Tod? Der Genitiv, der ein Besitzverhältnis ausdrückt?

Eigentlich ist doch der Papst der Patriarch der Westkirche. Eigentlich gehören wir alle zusammen, die wir in dieser geographischen Region leben, in ein Boot. Egal, ob evangelisch-protestantisch oder römisch-katholisch, Altlutheraner oder Altkatholik.  Und leben und kämpfen, diskutieren und streiten, beten und versöhnen auf Christus hin. 

Ja, tatsächlich ist die Kirche zumindest zunächst eine Glaubensgröße, in der alle Nachfolger Christi sind. Auch der Papst, der Christus nachfolgen will. (Was ein Stellvertreter ja sollte….) 

Er wäre ja unser alle Patriarch, wenn es die Unfälle der Kirchengeschichte nicht gegeben hätte: die Reformation des 16. Jahrhunderts, aber auch den Jansenismus und die Utrechter Altkatholiken des 18. Jahrhunderts, das erste Vatikanische Konzil des 19. Jahrhunderts mit dem Entstehen der Altkatholiken in deutschsprachigen Landen, das zweite Vatikanische Konzil mit den offen oder verdeckt schismatischen Gruppen wie der Piusbrüderschaft oder Opus Dei. Er könnte noch Patriarch sein, wenn es Übereinstimmung darüber gäbe, was eigentlich ein Papstamt für ein Amt ist. Ob es denn menschlichen oder göttlichen Rechtes ist. Was ein Papst darf. Was er bewirken sollte. Usw.

5. Wegen des Papstes austreten? Oder wegen des Amtes an sich? Denn Amtsinhaber wechseln und mit ihnen Akzentierungen in der Amtsführung. 

Das Papstamt – ist es legitim? Stimmt die biblische Herleitung von Matthäus Kapitel 16, Vers 18? Und wenn sie stimmt, ist dann das derzeitige Papstamt berechtigte Ausformung dieser Begründung? Oder übersteigt die Vollmacht, ex cathedra neue Glaubenssätze verbindlich verkündigen zu können, das von Jesus gemeinte? 

Sollte das Papstamt nicht eines sein wie das der Patriarchen orthodoxer Kirchen? Diese würden dem begeistert zustimmen. Ein Papst, der wieder nicht mehr und nicht weniger als der Patriarch der Westkirche mit Sitz in Rom ist – mit dem Gedanken könnten sich wahrscheinlich auch Protestanten anfreunden, wenn sie die geschichtlich fundierten Animositäten überwunden hätten. Für ein solches Amt gäbe es geschichtliche Gründe – und keinen Widerspruch aus die Heilgen Schrift.  Es wäre tatsächlich Ökumene.

Und wer dann austritt, der verlässt eindeutig die Kirche: eine geschichtliche gewachsene und bei ihrem Gang durch die Jahrhunderte geformte Größe, die Gemeine (Gemeinschaft?) der Glaubenden, die wissen, dass ihr Leben in Gott gründet – und die dermaleinst zu ihm wollen.

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