Christliches Centrum St. Matthäus, Windberg

Beiträge vom August 2009

Sonntag (Du sollst den Feiertag heiligen)

August 23, 2009 · Kommentar schreiben

Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist.

Jesaja 55,6  (Losung für den heutigen Tag)

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Eine Räuberhöhle

August 18, 2009 · 1 Kommentar

Und sie kamen gen Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel, fing an und trieb aus die Verkäufer und Käufer in dem Tempel; und die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenkrämer stieß er um,und ließ nicht zu, das jemand etwas durch den Tempel trüge.

Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: „Mein Haus soll heißen ein Bethaus allen Völkern“? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.

Und es kam vor die Schriftgelehrten und Hohenpriester; und sie trachteten, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich aber vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.

Markus 11, 15 ff

Eine Räuberhöhle. Unsere vier Kinder, als sie klein waren, bauten ihre Stockbetten aus. Sie behingen sie mit Decken und spielten phantasievolle Spiele. Die Betten wurden zu Autos für Reisen. Sie wurden zu Burgen und Schlössern und noch viel mehr. Wenn Spiel zu Ende war, sah alles wie die sprichwörtliche Räuberhöhle aus. Da war im Bett, was nicht hinein gehörte. In ein Bett gehören Kopfkissen, Laken, Oberbett, aber keine Völkerwanderungen von Puppen und Kuscheltieren sowie Landkarten, der Atlas, Provianttaschen und Stöcke, Schwerter und Lanzen, Schilde und ein Thron…

„Das sieht ja aus hier wie eine Räuberhöhle,“ sagte meine Frau. „Jetzt wird erst mal aufgeräumt.“ Und so geschah es. Wenn Mütter und Väter etwas anordnen, dann geschieht es, meistens wenigstens. Obwohl es ja immer geschehen sollte.

So ähnlich sah es Jesus: Der Tempelvorhof voll mit Sachen – und in einer Menge – wie es da nicht hingehört. Verkaufsstände mit Opfertieren, gewiss. Aber wahrscheinlich auch Preisschacher und Nebengeschäfte, und ob alles nach Recht und Ordnung geschah, sei ja auch noch dahin gestellt.

Nun kann man ein Räuberhöhlenbett schnell wieder aufräumen und dann darin schlafen. Im Vergleich zum Tempel ist das wirklich eine Kinderei. Aber der Tempel! Das Haus Gottes! Wo Gott seine Anwesenheit versprochen hat! Und dann diese schrecklichen Verkaufsstände! Die Diskutiererei, das Lamentieren: „Hach, muss ich wirklich hier weg, ich doch nicht! Die schönen Geschäfte! Andere – ja, aber ich nicht.“

Kein Wunder, dass Jesus da die Hutschnur platzt. Was hat das alles mit Gott zu tun, mit Gottesdienst mit Gebet, mit Gottesverehrung? Er stößt die Tische um, er greift durch, er räumt auf. Alles kugelt durcheinander. Jeder greift nach seinen Tieren, sichert seine Tageseinnahme, ist entsetzt- und getroffen. „Hat Jesus Recht, wenn er sagt, ich selber habe seinen Tempel zu einer Räuberhöhle gemacht?“ Da werden einige, die da nicht hingehörten, schnell verschwunden sein. Das kann man sich vorstellen.

Und man kann sich vorstellen, was Gott uns damit sagen will. In unserem Leben sollen wir aufräumen. Nicht nur darf ein Stockbett keine Räuberhöhle bleiben. Nicht nur gehören auf den Schreibtisch die jeweiligen Sachen für die jeweiligen Schularbeiten und sonst gar nichts. Und was gehört auf ein Nachttischschränkchen? Der Wecker, ein Roman, die Bibel, vielleicht das Gesang/Gebetbuch? Und was nicht? Und so weiter1

Aber das hier sind ja eher Kleinigkeiten.

Aus unserem Leben sollen wir immer wieder entfernen, was uns nicht zu Gott hin bringt, sondern von ihm wegtreibt. Irgendwo später in der Bibel, nämlich im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde zu Korinth, steht, dass Christen selbst ein Tempel Gottes sind, in dem er mittels des Heiligen Geistes wohnt. („Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid?“ (1. Kor. 6,19)) Und dieser Tempel, also wir selbst, unser Leben, das soll keine Räuberhöhle sein oder bleiben, sondern vor Gott – und durch seine Mithilfe – in Ordnung kommen.

Die Menschen damals haben Jesus gut verstanden. Wenn er in den Tagen nach seinem Wutausbruch noch ungehindert m Tempel lehren kann, dann heißt dass doch, dass sie sein Wort und sein Handeln akzeptieren, annehmen. Sonst hätte er wohl kaum zurückkehren können. Und das hat seinen Grund.

Er hatte ja gesagt: „Mein Haus“. Nicht: „Gottes Haus“. Der Tempel ist Gottes. Er sich an die Stelle Gottes gesetzt. Zu recht. Also ist er Gott, so mächtig wie Gott. Das haben die Menschen verstanden. Darüber haben sie nachgedacht. Deshalb haben sie ihm gehorcht. (Und deshalb waren Jesu’ Feinde so wütend auf ihn.)

Einige Christen haben am vergangenen Samstag die Entschlafung Mariens oder Mariä Himmelfahrt gefeiert. Dieses Fest drückt zutiefst das aus: Maria hat nicht irgend ein Kind geboren, sondern den GOttMenschen Jesus, der allein mächtig genug ist, uns wirklich und letztlich zu helfen. Eben auch dabei, unseren Tempel, uns selbst, in Ordnung zu bringen.

Wahrscheinlich gehört das zur inneren Tempelreinigung auch dazu: das richtige Maß zu lernen im Vertrauen auf Gott.

(Aus einer Predigt, gehalten im Münster zu Mönchengladbach)

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