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Extra ecclesiam nulla salus

Dezember 3, 2011

So hören wir es immer wieder: “Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.”

Der Satz stammt von Cyprian von Karthago, der um 200 geboren in Karthago wurde dort 258 starb. Heute als Heiliger (16. September) verehrt, wurde er damals aus der Gemeinde und von der Gemeinde zum Bischof von Karthago gewählt. (Heute werden in der römisch-katholischen Kirche die Bischöfe von Rom bestimmt und eingesetzt.) Zudem hat er sich bleibenden Ruhm als bedeutender kirchlicher Schriftsteller erworben.

1200 Jahre später wurde seine Aussage zum Dogma. In der Allgemeinen Kirchenversammlung von Florenz (1438–1445; eine Partikuarsynode nur der römisch-katholischen Kirche, also keine Allgemeine Kirchenversammlung, sondern ohne alle anderen Kirche, z.B. der orthodoxen Kirchen des Ostens) wurde verkündet:

“Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass ‚niemand außerhalb der katholischen Kirche — weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter — des ewigen Lebens teilhaftig wird.”

Strammkatholiken wie die Piusbrüder, aber auch der schlichte Katholik verstehen den Satz des Cyprian so, als bezöge er sich allein auf die römisch-katholische Papstkirche. Also: Nur wer Mitglied der Papstkirche ist, kommt nach seinem Ableben auf Erden zu Gott. (Lumen gentium Nr. 14 “Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.”)

So wird nun gedacht: Nur in der (dieser) Kirche wird das volle Heil angeboten.  (Das ergibt sich aus Lumen gentium Nr. 15: Hier werden alle anderen Kirchen (einige werden nur als Gemeinschaften bezeichnet) abgewertet.)

Das wiederum hat Cyprian nicht gesagt. Denn dieser Satz besagt, das außerhalb der Kirche das unvollkommene Heil angeboten wird, was immer das sei. Oder anders gesagt: Kommt man auch zu Gott, wenn nur das unvollkommene Heil angeboten wird? Und: Wer bestimmt, was das vollkommene Heilsangebot ist, Rom oder Gott?

Schauen wir lieber in Cyprians Zeit, um seinen Ausspruch zu verstehen. Damals gab es weder die römisch-katholische noch irgendeine andere konfessionelle Kirche. Es gab Kirche, nämlich Kirchengemeinden. Nur in ihnen, sofern sie rechtgläubig waren, wurden gültige Sakramente gestiftet, der Lehre der Apostel gemäß gepredigt, standen die Bischöfe, Priester und Diakone in der apostolischen Sukzession, waren also gültig geweiht. Nur solche Gemeinden waren Kirche Jesu Christi, nur in ihnen wurde der Weg zu Christus recht gewiesen. Nur in solchen Gemeinden (und Kirchkörpern) gibt es das Heil. So jedenfalls hat Cyprian seinen Ausspruch verstanden. (siehe auch wikipedia; nach dieser Quelle haben wir auch zitiert.)

Erst im auf Cyprian folgenden Jahrhundert entstanden nicht gleichförmig organisierte Nationalkirchen,Territorialkirchen, die teilweise auch nicht Gleiches lehrten, wie die Diskussionen um ein gemeinsames Glaubensbekenntnis (das Nicäno-Konstantinopolitanum ) zeigten.

Teilweise konkurrierten diese Kirchen auch um die Rechtmäßigkeit ihres Anspruchs. Damit begann die Umdeutung der Idee Cyprians. Eine jeweilige Kirche beanspruchte, die allein richtige zu sein – und außerhalb von ihr gab es dann kein Heil. Da die Vorgängerkirche der heutigen römisch-katholischen Kirche, die sich eigentlich erst mit dem Tridentinum und dem ersten vatikanische Konzil (beides übrigens nicht Konzile der gesamten Kirche, sondern nur der römisch-katholischen Partikularkirche) definiert hat, Staatskirche des mächtigsten damaligen Staates war, konnte sie ihren Anspruch entsprechend laut vortragen: Außerhalb von ihr sollte es kein Heil geben.

Das aber war weder das, das Cyprian gemeint hat, noch sah es die Alte Kirche so. Vor diesem Hintergrund kann man die römisch-katholische Definition nur als Irrlehre bezeichnen.

Auch wenn es unbequem ist: Eine Kirche, die in ihren Reihen ein Sexualverhalten duldet, dass nicht schriftgemäß ist, und das tut die römische Kirche zumindest inoffiziell (und leider nicht nur sie), fällt da nicht mehr drunter.

Das mit dem Sexualverhalten wird gern als Beispiel genommen; es ist anschaulich und überschaubar (siehe auch – hier klicken.

Aber wir möchten nicht missverstanden werden: Es  gehört noch viel mehr dazu. Man lese nur beispielsweise im Brief an die Epheser im 5. Kapitel oder an die Kolosser im 3 und 4. Kapitel .

Wohlgemerkt: Diese Worte sind an Christen gerichtet, Menschen, die in der Nachfolge Jesu leben. Nur dann machen sie auch Sinn.

Aufgefallen sind uns die Verse 12 bis 14: “So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und vertrage einer den andern und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.”

Das wäre ein zukunftsweisender “Arbeitsauftrag” für Christen: irdische Verwirklichung von Heil und ein auf es hinweisendes Zeichen. Dann mag anschaulich werden, was das heißen mag: “Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.”

Denn Kirche – das ist weder in der Bibel noch in der Zeit der Alten Kirche eine einzige Institution. Kirche: das sind die, die glauben – nämlich Gott vertrauen – und getauft sind, das sind die, die auf ihren Herrn Jesus Christus hören und ihm nachfolgen.

Anm.: Die in Lumen gentium Nr. 15 genannte “Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter” galt auch nicht als Kennzeichen der Kirche. – Ja, Maria gilt unsere Verehrung: als Gottesgebärerin (gr.  Θεοτόκος Theotókos, lat. Dei Genitrix), wie es richtig heißt – und damit wird etwas über Jesus gesagt: Er war zur Zeit seines Erdenlebens Wahrer Mensch und Wahrer Gott. Im Volksglauben wird leider aus der Mutter Gottes die göttliche Mutter, zu der dann gebetet wird, wie es nur Gott zusteht und nur zu ihm möglich ist – das sind schon heidnische Vorstellungen!

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