Erneut gerät es in die Schlagzeilen, und das mit schöner Regelmäßigkeit: Das Turiner Grabtuch.
Was ist es?
Das Turiner Grabtuch ist ein 4,36 Meter langes und 1,10 Meter breites Leinentuch. Damit kann man wirklich einen Leichnam umhüllen. In merkwürdiger Weise kann man auf ihm den Abdruck eines Menschen erkennen, Dieser Mensch weist dieselben Merkmale auf, wie sie der Leichnam Jesu aufgewiesen hat. Das geht hin bis zu dem Abdruck der Dornenkrone – auf dem Tuch historisch richtig im Gegensatz zu mittelalterlichen Darstellungen, die das Verständnis ihrer Zeit und ikonographische, also interpretatorische Züge aufweisen.
Das Tuch tauchte erst ca 1350 in Europa, und zwar in Frankreich auf (mehr auf Wikipedia).
Wenn es wirklich Jesu Grabtuch ist – wo war es die ganze Zeit geblieben? Ist es am Ende gar eine mittelalterliche Fälschung?
Ist es echt?
Die Frage ist eigentlich etwas unsinnig – natürlich ist es ein echtes altes Grabtuch…Die eigentliche Frage muss heißen: Ist es Jesu Grabtuch? Dann würden die Spuren auf Jesus Christus weisen und wir könnten sogar eine Art Porträt von Jesus herstellen.
Die neusten Veröffentlichungen berichten davon, dass auf dem Grabtuch aramämischen Schriftzeichen gefunden worden seien, wegen des hohen Alters mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen. Aramäisch sei aber nach dem Jahr 70 unter Christen nicht mehr gebräuchlich gewesen.
Diese Behauptung ist etwas sonderbar: Von heute auf morgen haben die frühen Judenchristen ihr Aramäisch: ihre Umgangssprache verschwinden lassen? Das st wohl kaum wahrscheinlich. Dazu war es neben Griechisch als Verkehrssprache zu bedeutend. Die Behauptung ist auch unwahr: Bis heute gibt es aramäisch sprechende Christen – siehe Link 1 und Link 2 Erst der islamische Sturm nach 600 hat Aramäisch zurückgedrängt.
Immerhin: Im Gegensatz zu der ohnehin nicht unumstrittenen C14-Methode, welche das Tuch in das Mittelalter datiert, wäre hiermit der Nachweis für ein größeres Alter gelungen.
Welchen Sinn hat es?
Das Turiner Tuch bleibt, was es war: Ein altes Grabtuch, Jesus zu geordnet, möglicherweise tatsächlich Jesu Grabtuch. Das wird sich von menschlicher Seite wohl kaum jemals zweifelsfrei klären lassen. Um einen sicheren Vergleich durchführen zu können, müssten wir im sicheren Besitz etwa von DNA-Spuren Jesu sein. Das sind wir aber nicht.
In jedem Fall weist das Grabtuch auf Jesus und sein bitteres Leiden und Sterben hin: tatsächlich als sein Grabtuch, dann wäre es eine Reliquie, oder als wie auch immer entstandene Abbildung – dann wäre es eine Ikone im römisch-katholischen Sinn.
Als Reliquie oder als Ikone mag das Grabtuch predigen. Aber – tut das die Heilige Schrift nicht viel besser und genauer? Der Reliquienverehrung wohnt leider immer die Gefahr einer unguten Übersteigerung inne. Die Reliquie verselbstständigt sich und löst sich in „heilige“ Gefühligkeit auf. Das aber kann nicht gemeint und nicht gewollt sein. Der christliche Glaube ist keine (man verzeihe mir das Wort) Gefühlsduselei. Es ist die realistische Antwort Gottes auf den manchmal schwer zu ertragenden Realismus unseres Lebens.
Was bleibt?
Das Grabtuch von Turin wird immer eine Glaubenssache bleiben. Wohl dem, der seinen Glauben nicht auf das Tuch gründet, sondern auf das sichere Zeugnis der Heiligen Schrift. Und ein Porträt von Jesus – ist das nötig, ist das überhaupt wünschenswert? Wenn das so wäre – hätte es Gott uns nicht überlassen, so wie die Heilige Schrift uns überkommen ist? Das Jesus-“Porträt“ seiner Jünger ist ohnehin ein anderes: Wer jahrelang als Jesu Jünger lebt, der braucht kein Porträt. Er kennt Jesu Worte und Jesu Willen. Dazu braucht es keine „Fotographie“.
Und noch ein letzter Gedanke: Wahrscheinlich ist jede Christus-Ikone „wahrer“ als ein solches Porträt. In ihrer stilisierten Form weist sie über sich hinweg auf den wahren Christus, den Auferstandenen. Denn schließlich ist es nach der Kreuzigung ja noch weiter gegangen. (Übrigens sollen sich das Grabtuchporträt und die Grundzüge für eine Christus-Ikone wesentlich entsprechen.)
2 Antworten bis hierher ↓
Schefczyk R. Chr. // Oktober 18, 2009 um 10:43 |
Jesus spricht in etwa: „Er wird diesen Tempel zerstören und in 3 Tagen wieder aufbauen“. Es war schon immer strittig, wer und welcher Tempel gemeint sein sollte. Das ein Steinkomplex, den Herrn aller Zeiten beschäftigt, kann wohl nicht ernsthaft angenommen werden. Also eher sein Körper . Daraus ergebe sich eine Logik, die andere Aussagen bestätigt, zum Beispiel: „Das Fleisch nützt nichts, der Geist ist es, der lebendig macht.“ Jesus hat auch nirgends, die Auferstehung des Fleisches versprochen, sondern ewiges Leben, denen die an ihn und den Vater glauben. Er sagt am Kreuz auch nicht, irgendwann werde ich dich erwecken, sondern er spricht: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“
Chrys // Oktober 22, 2009 um 13:13 |
Paulus: „…bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi, welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und HERR aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen.“ (1 Tim.6.14-16)
Heisst kurz zusammengefasst : Jesus Christus seine Erscheinung wird uns Gott zeigen!
Jesus: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh. 14.9)
Ich sehe kein Problem, entweder Turiner Grabtuch oder etwa die Evangelien. Da ist keine Rivalität drinnen, sonder viel mehr eine Ergänzung.